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Die Sozialbetreuungsberufe

 

Die Entstehung der Sozialbetreuungsberufe

Personen- und Berufsbezeichnungen in der männlichen Form sind aufgrund der besseren Lesbarkeit geschlechtsneutral zu verstehen.
Die Sozialbetreuungsberufe sind in Österreich seit dem Jahre 2005 gesetzlich verankert. Dies wurde in einer 15a-Vereinbarung im Bundesverfassungsgesetz geregelt(BGBl. I Nr. 55/2005). Der Bund gab die Rahmenbedingungen vor und forderte die Bundesländer auf, genauere Regelungen zu treffen. Leider wurde kein unmittelbarer Zeitrahmen festgelegt, weshalb die Umsetzung zumindest zwei Jahre, in manchen Bundesländern auch länger, dauerte.
In Kärnten wurde diese Bundesverordnung im Jahre 2007 mit dem in Kraft treten des Kärntner Sozialbetreuungsberufegesetzes (K-SBBG) umgesetzt (LGBl 53/2007). Obwohl ein Teil des Aufgabengebietes der Sozialbetreuungsberufe in den Kompetenzbereich des Gesundheitswesens und damit unter die Bundeskompetenz fällt (der mitverantwortliche Pflegebereich), sind die Länder für den Bereich Soziales und somit auch für die Sozialbetreuungsberufe zuständig. In Kärnten ist die Abteilung 4 der Landesregierung unter dem Sozialreferenten Hr. LR Mag. Christian Ragger zuständig.

 

Wer sind die Sozialbetreuungsberufe

Die Sozialbetreuungsberufe setzen sich aus Berufsgruppen zusammen, die vorher voneinander unabhängig waren und deren Ausbildungsdauer und Berufsbezeichnungen in den einzelnen österreichischen Bundesländern unterschiedlich war. Durch die Gründung der Sozialbetreuungsberufe verfolgte man das Ziel, innerhalb von Österreich eine einheitliche Regelung bezüglich der Ausbildungen und der Berufsbezeichnungen im Alten,- Familien,- und Behindertensektor zu erreichen.

Zu den Sozialbetreuungsberufen zählen:

Diplomsozialbetreuer

  • Altenarbeit (A)
  • Familienarbeit (FA)
  • Behindertenarbeit (BA)
  • Behindertenbegleitung (BB)

 Fachsozialbetreuer

  • Altenarbeit (A)
  • Behindertenarbeit (BA)
  • Behindertenbegleitung (BB)

 

Heimhilfe

 

 

Ausbildungsdauer

Es gibt drei verschiedene Ausbildungsniveaus, wobei in der Ausbildung zur Heimhilfe 400 Unterrichtsstunden, zum Fachsozialbetreuer 1400 Unterrichtsstunden und zum Diplomsozialbetreuer insgesamt 3600 Unterrichtsstunden absolviert werden müssen. Jeweils die Hälfte der Stunden sind Theorie, die andere Hälfte ist als Praktikum zu absolvieren. Nähere Angaben sind der Ausbildungsverordnung (Gesetze) zu entnehmen.

 

Mindestaltersgrenze

Die Mindestaltersgrenzen betragen für Diplomsozialbetreuer 20 Jahre, Fachsozialbetreuer müssen 19 Jahre und Heimhelfer mindestens 18 Jahre alt sein.

 

Fortbildungen

Das Ausbildungsniveau muss immer dem Stand der Wissenschaft entsprechen und daher aktualisiert werden. Heimhelfer sind verpflichtet, sich in einem Zeitraum von zwei Jahren mindestens 16 Stunden fortzubilden. Fach,- und Diplomsozialbetreuer müssen innerhalb von zwei Jahren mindestens 32 Stunden Fortbildung nachweisen. Da die Ausbildung der Fachsozialbetreuer.A ident ist mit der früheren Berufsbezeichnung der Altenfachbetreuer, dürfen sich Personen, die diese Ausbildung absolviert haben, auch Fachsozialbetreuer.A nennen. Im Behindertenbereich muss zuerst das Modul „Unterstützung bei der Basisversorgung (UBV)“ nachgemacht werden, um sich Fachsozialbetreuer.BB nennen zu dürfen.

 

Aufgabengebiete

Der Kern des Aufgabenfeldes der Sozialbetreuungsberufe liegt im sozialbetreuerischen Aspekt und beinhaltet einen selbständigen und einen unselbständigen Tätigkeitsbereich. Der selbständige Tätigkeitsbereich umfasst die Mitgestaltung der Lebenswelt von Menschen, die aufgrund von Alter, Behinderung oder einer anderen Benachteiligung auf Begleitung, Unterstützung und Hilfe angewiesen sind (K-SBBG). Gezielte Maßnahmen werden ganzheitlich auf die spezifische Lebenssituation abgestimmt. Diplomsozialbetreuer entwickeln Konzepte, koordinieren den Ablauf und leiten Mitarbeiter und Helfer in Fragen der Sozialbetreuung an.
Der unselbständige Arbeitsbereich fällt in den Kompetenzbereich des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes. Beim Fach,- und Diplomsozialbetreuer der Altenarbeit, der Behindertenarbeit und der Familienarbeit ist die Ausbildung zum Pflegehelfer integriert. Der Fach,- oder Diplomsozialbetreuer der Behindertenbegleitung und die Heimhelfer müssen im Rahmen ihrer Ausbildung ein vom Bund dafür vorgesehenes Ausbildungsmodul, die „Unterstützung bei der Basisversorgung“ (UBV) absolvieren. Dieses Modul beinhaltet die Unterstützung bei der Einnahme und Anwendung von Arzneimitteln. In diesem Bereich ist nur ein Arbeiten unter Anleitung und Aufsicht von Angehörigen der Gesundheitsberufe erlaubt.

 

Die Tätigkeitsbereiche

 

Tätigkeitsbereich der Heimhilfe

Selbständiger Tätigkeitsbereich

  • Hauswirtschaftliche Tätigkeiten (Sauberkeit und Ordnung im unmittelbaren Wohnbereich)
  • Beheizen der Wohnung, Beschaffen des Brennmaterials
  • Unterstützung bei Besorgungen außerhalb des Wohnbereiches (Einkauf, Post, Behörden, Apotheke, u.a.)
  • Unterstützung bei der Zubereitung und Einnahme von Mahlzeiten
  • Einfache Aktivierung (z.B. Anregung zur Beschäftigung)
  • Förderung von Kontakten im sozialen Umfeld
  • Hygienische Maßnahmen (z.B. Wäschegebarung)
  • Beobachtung des Allgemeinzustandes und rechtzeitiges Herbeiholen von Unterstützung durch andere Berufsgruppen
  • Unterstützung von Pflegepersonen
  • Dokumentation

Unselbständiger Tätigkeitsbereich

  • Unterstützung bei der Basisversorgung (UBV)

 

Tätigkeitsbereich der Fachsozialbetreuer

Selbständiger Tätigkeitsbereich

  • Mitgestaltung der Lebenswelten von alten, behinderten oder in einer schwierigen Lebenslage befindlichen Menschen
  • Verfügen über umfassendes Sparten übergreifendes Wissen und über eine breite Palette an Möglichkeiten umfassende, Lebenswelt orientierte Begleitung
  • Begleitung, Unterstützung und Hilfe von Benachteiligten in allen Fragen der Daseinsgestaltung, von Alltagsbewältigung bis hin zur Sinnfindung
  • ganzheitliche Erfassung spezifischer individueller Lebenssituationen
  • Erhöhung bzw. Erhaltung von Lebensqualität und Würde
  • Zusammenarbeit mit anderen Bezugspersonen der Hilfebedürftigen
  • Normalisierung der Lebensbedingungen
  • Integration
  • Selbstbestimmung

Unselbständiger Tätigkeitsbereich

  • Tätigkeiten als Pflegehelfer (A,BA,F)
  • Unterstützung bei der Basisversorgung (BB)

 

Tätigkeitsbereich der Diplomsozialbetreuer

Selbständiger Tätigkeitsbereich

  • Sämtliche Tätigkeiten des FSB jedoch höhere Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit (nicht im Pflegebereich)
  • unmittelbaren Betreuungsaufgaben
  • konzeptive/ planerische Aufgaben
  • Koordination und fachliche Anleitung von Mitarbeitern
  • fachliche Weiterentwicklung des Dienstleistungsangebotes
  • Prozessmanagement
  • Qualitätssicherung und Entwicklung (Reflexion, Evaluation)

Unselbständiger Tätigkeitsbereich

  • Tätigkeiten als Pflegehelfer (A,BA,F)
  • Unterstützung bei der Basisversorgung (BB)

 

Tätigkeitsbereich der Fachsozialbetreuer.A

Selbständiger Tätigkeitsbereich

Umfassenden Begleitung, Unterstützung und Betreuung von älteren Menschen gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse insbesondere:

  • Maßnahmen zur Lebensbewältigung
  • Eingehen auf körperliche, seelische und geistige Bedürfnisse und Ressourcen
  • Hilfe zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung von Fähigkeiten und Fertigkeiten für ein möglichst selbständiges und eigenverantwortliches Leben im Alter
  • Individuelle Begleitung bei der Sinnfindung und Neuorientierung der Lebensphase Alter
  • Unterstützung bei der psychosozialen Bewältigung von Krisensituationen
  • Entlastung, Begleitung und Anleitung von Angehörigen und Laienhelfern
  • Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen

Unselbständiger Tätigkeitsbereich

  • Befugnisse nach GuKG ( Pflegehelfer)

 

Tätigkeitsbereich der Diplomsozialbetreuer.A

Selbständiger Tätigkeitsbereich

Entwicklung von Konzepten und Projekten in interdisziplinärer Zusammenarbeit insbesondere:

  • Altersgerechte Umgestaltung der Wohnumgebung einschließlich Beratung und Besorgung von entsprechenden Hilfsmitteln und Behelfen sowie Organisation der nötigen Wege
  • Spezielle Animationsprogramme für Kleingruppen und Einzelpersonen zur Förderung motorischer Fähigkeiten durch Bewegungsübungen, Förderung der Hirnleistungsfähigkeit
  • Anregung von Kommunikationsprozessen in Kleingruppen und für Einzelne zur Verbesserung des sozialen Klimas unter den Bewohnern von Heimen und zu den Pflegepersonen
  • Erarbeitung von Strategien im Falle akuter Krisensituationen wie Tod von Angehörigen oder Mitbewohnern, sowie bei Depression und Suizidgefährdung, Verwirrung und Desorientierung und bei Suchtproblematik
  • Einsatz methodischer Kompetenzen hinsichtlich Validation, Kinästhetik und Biografiearbeit

Unselbständiger Tätigkeitsbereich

  • Befugnisse nach GuKG(Pflegehelfer)

 

Tätigkeitsbereich der Fachsozialbetreuer.BA/BB

Selbständiger Tätigkeitsbereich

Anleitung, Anregung, Beratung, Assistenz, Förderung und Intervention für behinderte Menschen insbesondere:

  • Unterstützung bei Kontakten zu anderen Menschen, Förderung der Teilnahme am sozialen Leben sowie Begleitung in Fragen der Partnerschaft und Sexualität
  • Interessensabklärung im Bereich Beschäftigung (Arbeit), Förderung und Training
  • Freizeitgestaltung, Entspannung, Erholung, Feste…
  • Bildung und Persönlichkeitsentfaltung
  • Kritischen Lebensereignisse bewältigen und begleiten
  • Sterbebegleitung

Unselbständiger Tätigkeitsbereich

  • FSB (BA): Befugnisse nach GuKG (Pflegehelfer)
  • FSB (BB): Unterstützung bei der Basisversorgung

 

Tätigkeitsbereich der Diplomsozialbetreuer. BA/BB

Selbständiger Tätigkeitsbereich

  • Durchführung personenzentrierter Lebensplanung
  • Konzepte und Methoden der basalen Pädagogik
  • Basale Stimmulation, basale Kommunikation und basale Aktivierung
  • Unterstützende, erweiternde und alternative Kommunikationsmittel wie etwa Gebärden und Symbole mithilfe elektronischer Hilfsmittel
  • Vertiefte Kompetenzen: Beratung, Begleitung, Assistenz und dem Setzen von Integrationsmaßnahmen
  • Zusammenarbeit mit sonstigen Gesundheitsberufen

Unselbständiger Tätigkeitsbereich

  • FSB (BA): Befugnisse nach GuKG (Pflegehelfer)
  • FSB (BB): Unterstützung bei der Basisversorgung

 

Tätigkeitsbereich der Diplomsozialbetreuer.F

Selbständiger Tätigkeitsbereich

Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen mit dem Ziel:

  • gewohnten Lebensrhythmus aufrecht zu erhalten
  • schwierige Lebenssituationen zu überwinden (Erkrankung, Tod, Trennung, Scheidung, Überforderung, ua.)
  • Kompetenzen in Planung und Organisation des Alltags
  • Haushaltsorganisation und Haushaltsführung inklusive Wohnungspflege, Wäschepflege, Zubereitung der Mahlzeiten und Diätkost auch für Säuglinge
  • altersspezifischen Betreuung von Kindern und Jugendlichen, Spiel,- und Lernanimation sowie Hausaufgaben
  • Anleitung, Beratung und Unterstützung der Betreuungspersonen von Familienangehörigen
  • Mitbetreuung älterer, kranker oder behinderter Familienmitglieder
  • Begleitung und Unterstützung bei der Bewältigung von Krisensituationen
  • Beratung, Begleitung und Unterstützung in Krisensituationen und bei der Inanspruchnahme von Einrichtungen und Leistungen
  • Zusammenarbeit mit dem Betreuungsteam

Unselbständiger Tätigkeitsbereich

  • Befugnisse nach GuKG (Pflegehelfer)